Führungskräfte-Coaching

Wenn Entscheidungen stocken: Wie Führungskräfte-Coaching Klarheit schafft

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Nach einer Reorganisation sollen mehrere, bislang weitgehend eigenständige Teams, enger zusammenarbeiten. Doch das funktioniert auch nach mehreren Monaten nicht. Im Gegenteil! Entscheidungen dauern immer länger, Konflikte nehmen zu und die Teamleitungen machen sich gegenseitig für die Schwierigkeiten verantwortlich. Die verantwortliche Bereichsleiterin hat bereits Gespräche geführt, Erwartungen formuliert und an die gemeinsame Verantwortung appelliert. Geändert hat sich wenig. Sie entscheidet sich daraufhin für ein Coaching bei einem erfahrenen viadoo Guide.

Grundsätzlich fällt Führungskräften ein solcher Schritt nicht leicht. Denn eigentlich sind sie es gewohnt, Dinge zu entscheiden und sich auch gegen Widerstände durchzusetzen. Dennoch sind auch sie nicht davor gefeit, Situationen aus ihrer eigenen Perspektive und unter den Einflüssen ihrer Umgebung zu betrachten. Je komplexer eine Situation ist, desto schwieriger wird es auch für sie, zwischen dem, was tatsächlich geschieht, und der eigenen Interpretation zu unterscheiden.

Wie Coaches durch Fragen Selbstreflexion fördern

Diese Erkenntnis teilt auch besagte Bereichsleiterin. Sie weiß, dass ein professioneller Coach außerhalb ihrer Situation steht, keine Position verteidigen muss und kein Interesse an einer bestimmten Entscheidung hat. Ihr ist auch klar, dass der Coach weder automatisch eine Lösung parat hat noch eine solche vorgeben würde. Seine Aufgabe würde vielmehr darin bestehen, Fragen zu stellen, für die im Tagesgeschäft häufig wenig Raum bleibt:

  • Welche Annahmen liegen meiner Einschätzung zugrunde?
  • Was übersehe ich möglicherweise?
  • Welche andere Perspektive könnte hilfreich sein?
  • Welche Konsequenzen hätte meine Entscheidung – auch für andere?
  • Und welches Problem versuche ich eigentlich zu lösen?

Genau in diesem Sinne betrachtet nun auch die Bereichsleiterin ihre Situation aus verschiedenen Perspektiven. Dabei zeigt sich, dass das Problem – anders als bis dahin von ihr vermutet – nicht alleine bei den Leiterinnen und Leitern der zusammengelegten Teams liegt, sondern auch bei ihr selbst.

Perspektivwechsel gibt den Blick auf die Lösung frei

Denn während sie durch die Reorganisation Strukturen verändert hat, ließ sie zentrale Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse der Teamleiter unverändert. Sie wollte ihnen möglichst viel Gestaltungsspielraum lassen. Doch die Teamleiter handelten nachvollziehbar wie immer, was zu den sich aufschaukelnden Konflikten führte.

Aus der ursprünglichen Frage der Bereichsleiterin

„Wie bringe ich Teamleitungen dazu, besser zusammenzuarbeiten?“

wird eine andere:

„Was muss ich selbst klären und entscheiden, damit eine Zusammenarbeit überhaupt erst möglich wird?“

Der Coach hat das Problem nicht gelöst. Er hat auch nicht entschieden, wie Verantwortlichkeiten künftig verteilt werden sollen. Aber die Führungskraft betrachtet die Situation jetzt anders und kann dadurch anders entscheiden und handeln. Genau darin liegt die Wirkung von Coaching.

Vier Fragen vor einer wichtigen Entscheidung

Nicht jede Entscheidung benötigt ein Coaching. Aber gerade bei komplexen Situationen lohnt es sich, die eigene Sichtweise bewusst zu überprüfen.

Vier Fragen können dabei hilfreich sein:

  1. Was weiß ich tatsächlich – und was nehme ich nur an?
  2. Welche Perspektive berücksichtige ich bisher nicht?
  3. Welche Konsequenzen hat meine Entscheidung für andere?
  4. Was muss ich selbst tun oder verändern, damit meine Entscheidung Wirkung entfalten kann?

Die Fragen wirken einfach. Sie im Rahmen einer Selbstreflexion jedoch konsequent auf die eigene Situation anzuwenden, ist häufig weniger einfach.

Wann Coaching besonders wertvoll sein kann

Anders als bei der Bereichsleiterin unseres Beispiels, sollten Führungskräfte Coaching nicht erst dann in Anspruch nehmen, wenn etwas schief gelaufen ist. Denn Coaching ist gerade dann besonders wertvoll, wenn noch verschiedene Wege offenstehen. Besonders interessant wird Coaching, wenn bisher erfolgreiche Verhaltensweisen nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielen.

Eine Führungskraft, die ein kleines Team erfolgreich geführt hat, steht bei der Übernahme eines großen Bereichs vor anderen Herausforderungen. Eine Organisation, die stark wächst, benötigt andere Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen als ein Start-up mit zwanzig Mitarbeitenden. Und eine Reorganisation verändert nicht nur Kästchen im Organigramm, sondern Rollen, Beziehungen und Erwartungen.

Coaching ist kein Zeichen von Schwäche

Ein Vorbehalt hält sich hartnäckig: Wer Coaching braucht, hat offenbar ein Problem, das er allein nicht lösen kann. Diese Sicht verkennt, worum es bei professionellem Coaching geht.

Gerade Menschen, die weitreichende Entscheidungen treffen, profitieren davon, ihre Annahmen gelegentlich von jemandem hinterfragen zu lassen, der weder Teil der Hierarchie noch unmittelbar von der Entscheidung betroffen ist.

Durch Coaching wird keine Entscheidung delegiert. Im Gegenteil: Die Verantwortung bleibt vollständig bei der Führungskraft. Coaching kann jedoch dazu beitragen, diese Verantwortung bewusster wahrzunehmen.

Fazit: Bessere Entscheidungen statt fertiger Antworten

Coaching schafft also Führungskräften Raum für Reflexion, macht ihnen andere Perspektiven sichtbar, hinterfragt vermeintliche Gewissheiten und erweitert den eigenen Handlungsspielraum.

Gerade in Zeiten von Transformation, neuen Technologien und zunehmender Komplexität ist dies entscheidend. Denn je weniger eindeutig eine Situation ist, desto wichtiger wird die Qualität der Entscheidungen, die Führungskräfte treffen.

Coaching sollte deshalb nicht erst beginnen, wenn etwas schiefläuft.

Autor(en)

Klaus-Peter Wagenführ Autor

Klaus-Peter Wagenführ

Diplom-Volkswirt Klaus-Peter Wagenführ arbeitet seit vielen Jahren in Beratungs- und Transformationsrollen an konzeptionellen und strukturellen Fragestellungen rund um Organisation, Führung und Lernen in komplexen Unternehmenskontexten. Sein Schwerpunkt liegt auf der Klärung von Governance- und Entscheidungslogiken sowie auf der Verbindung von Strategie, Struktur, Leadership und Capability-Entwicklung – insbesondere in international tätigen und regulierten Organisationen.

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