Wiesbaden/München – Die ESG-Transformation ist in der Versicherungswirtschaft in vollem Gange, wird aber vielfach noch nicht als professioneller Veränderungsprozess gesteuert: 42,1 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen geben an, dass die gesellschaftlich gewachsene und regulatorisch verpflichtende Bedeutung von Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen zu keinem Change-Management-Prozess führt. Nur 57,9 Prozent verbinden Sustainable Insurance mit einem solchen Prozess. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Sustainable Insurance“ von Union Investment und der Hochschule RheinMain in Kooperation mit der viadoo GmbH, die auf dem 9. Wiesbadener Versicherungskongress vorgestellt wurde.
Die von Prof. Dr. Matthias Müller-Reichart, Inhaber des Lehrstuhls für Risikomanagement der Hochschule RheinMain, durchgeführte Befragung untersuchte die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens in versicherungsbetriebswirtschaftlichen Prozessen. Gemeinsam mit viadoo-Gründer Dr. Dominik Faust wurde zudem der Frage nachgegangen, inwieweit Nachhaltigkeit in Versicherungsunternehmen Wandel auslöst – und wie professionell dieser begleitet wird.
Eine von viadoo in die Studie eingebrachte offene Frage lautete: „Führt die gesellschaftlich gewachsene sowie regulatorisch verpflichtende Bedeutung von Nachhaltigkeit zu einem Change-Management-Prozess in Ihrem Unternehmen?“ Die Antworten zeigen: In vielen Häusern steht vor allem die fachliche Umsetzung regulatorischer Vorgaben im Vordergrund. Dabei betreffen ESG-Anforderungen heute die gesamte Organisation – von Strategie und Governance, Finanzen & Steuern, Produktentwicklung, Marketing & Vertrieb und Kommunikation bis zu den Beziehungen zu Partnern und Dienstleistern.
Eine Serie an Vorgaben
Wie hoch der Umsetzungsdruck inzwischen ist, wurde auch auf dem 9. Wiesbadener Versicherungskongress deutlich. Kristina Stiefel, langjährige Expertin in Risk & Regulation sowie ESG Insurance und Partnerin bei PwC, verwies auf die Vielzahl an Vorgaben, mit denen sich Versicherungsunternehmen zusätzlich zum Tagesgeschäft auseinandersetzen müssen. Dazu zählen unter anderem
- das BaFin-Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken für die Finanzdienstleistungswirtschaft von 2019,
- die EU-Taxonomie-Verordnung vom Juni 2020 (2020/852),
- die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) vom März 2021,
- der Entwurf der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) vom Februar 2022 sowie
- die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) einschließlich ESRS vom Juni 2022.
Hinzu kommen die Initiativen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vom Januar 2001. Nach Angaben von Götz Treber, Leiter Kompetenzzentrum Unternehmenssteuerung und Regulierung des GDV, müssen sich große Finanzdienstleister bereits in diesem Jahr mit der Nachhaltigkeitsberichterstattung auseinandersetzen, obwohl diese erst im Folgejahr verpflichtend wird. Der Grund: In die Berichte 2023 müssen bereits Vergleiche mit dem Vorjahr einfließen.
Zu wenig Aufmerksamkeit für menschliche Aspekte
Die Studie zeigt zugleich, dass die menschliche Seite der Transformation bislang oft zu wenig Beachtung findet. Selbst unter den knapp 58 Prozent der Befragten, bei denen Sustainable Insurance einen Change-Management-Prozess auslöst, erwähnte nur eine Organisation ausdrücklich die Bedeutung des Faktors Mensch. Dort hieß es: „Wir müssen dahin kommen, dass alle Mitarbeitenden das Thema selbstständig mitdenken und in ihre Arbeit und Prozesse integrieren.“
Für Versicherungsunternehmen ist das ein relevanter Befund. Denn Nachhaltigkeit lässt sich langfristig nur dann wirksam verankern, wenn neben Prozessen und Strukturen auch Mindset, Unternehmenskultur, Partizipation und Kommunikation gezielt entwickelt werden. Große Häuser haben dafür bereits eigene Organisationsstrukturen geschaffen, etwa einen Steuerungskreis für Nachhaltigkeit oder die Funktion eines Chief Sustainability Officer (CSO). Kleinere Gesellschaften stehen hier vielfach noch am Anfang.
Sustainable Insurance ist ein laufender Prozess
Die Studienergebnisse machen deutlich: Sustainable Insurance ist ein „Moving Target“. Die Transformation läuft, ist aber noch nicht abgeschlossen. Für Entscheider in Versicherungen stellt sich daher zunehmend nicht nur die Frage, was regulatorisch umzusetzen ist, sondern auch, wie dieser Wandel organisatorisch, kommunikativ und kulturell erfolgreich gestaltet werden kann. Genau an dieser Schnittstelle unterstützt die viadoo GmbH Versicherungsunternehmen dabei, ESG nicht nur fachlich umzusetzen, sondern nachhaltig im Unternehmen zu verankern.
Datenbasis: Der Studie liegen umfangreiche Befragungen verschiedener Versicherungsgruppen zugrunde (n = 19). Dazu zählten sowohl große und kleine Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG), Aktiengesellschaften aus Deutschland und Österreich wie die Generali Versicherung AG sowie Versicherungsanstalten des öffentlichen Rechts wie die Versicherungskammer Bayern. Die Ergebnisse sind repräsentativ für den deutschen Versicherungsmarkt.
Disclaimer: Die Münchner Hausbank der viadoo GmbH ist eine der über 800 Genossenschaftsbanken in Deutschland, die über ihre Verbände bzw. Beteiligungsgesellschaften Shareholder (Minderheitsaktionäre) der Union Asset Management Holding AG („Union Investment“) sind.
Zuletzt aktualisiert am 04/28/2026
Autor(en)
viadoo GmbH
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