Zu Beginn klang alles schlüssig: ein neues ERP wie SAP S/4HANA, eine KI-Integration, ein neues Planungsmodell, eine digitale Shopfloor- oder Supply-Chain-Lösung mussten her. Alles würde Vorteile bringen, mögliche Risiken schienen kalkulierbar. Einige Monate später war dann Schluss mit „Alles grün, zwei gelb“-Reports. Seither bleiben belastbare Erfolgsstories aus, Meilensteine wackeln, Projekte fahren sich fest. Genau dafür hat viadoo das Menschen-zentrierte „Back on Track“-Programm entwickelt, mit dem festgefahrene Projekte zurück auf Kurs kommen. Es setzt an vier erfolgskritischen Hebeln an: Lagebild, Governance, Priorisierung und Kommunikation.
Bevor wir näher auf die Lösung eingehen, noch ein zahlenbasierter Blick auf die harte Wirklichkeit: Allein die Einführung von SAP-S/4HANA dauert einer Horváth-Studie zufolge im Durchschnitt 30 Prozent länger als geplant. In der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (SVI) sind Projektverzögerungen noch eklatanter: So erinnern wir uns in der SVI-Community noch gut an die 2003 bestellten Militärtransporter vom Typ Airbus A400M. Ihre finale operative Freigabe (FOC) wird für 2027 erwartet. Hauptverursacher von Verzögerungen? Menschen. Nicht Technik. Menschen unterschätzen Komplexitäten, planen unzureichend, wählen minderwertige Ware, versäumen Qualitätskontrollen, streiten um Kosten. Um nur einige Beispiele zu nennen.
Was ist also zu tun, um ein festgefahrenes Projekt wieder auf Kurs zu bekommen?
1. Schnelle Stabilisierung der Lage
Wenn ein Projekt ins Stocken geraten ist, sind Bestandsaufnahme und Schadensbegrenzung wichtig: Wo blockieren Entscheidungen? Welche Schnittstelle erzeugt den höchsten Verzug? Welche Risiken sind operativ, welche nur kommunikativ? Deshalb beginnen wir das Menschen-zentrierte „Back on Track“-Programm damit, die Lage zu stabilisieren. Dazu gehören ein Rapid Assessment, die saubere Benennung der wichtigsten Probleme und eine belastbare Eskalations-Matrix.
Für das C-Level ist dieser Schritt deshalb so wichtig, um festgefahrene Projekte wieder auf Kurs zu bekommen, weil er die Organisation von der Ampellogik zurück in die Führungslogik bringt. Sie sehen nicht länger nur Farben, sondern Ursachen, Verantwortlichkeiten und nächste Entscheidungen.
2. Governance, die Entscheidungen ermöglicht
Festgefahrenen Projekten fehlt häufig eine Governance, die in komplexen Matrixorganisationen schnell genug funktioniert. Als Folge reden Rollen aneinander vorbei, Lieferobjekte hängen in der Luft und Entscheidungen bleiben liegen zwischen Programmleitung, Linie, IT, Operations, Qualität oder Einkauf. Deshalb ist Governance Design der zweite Baustein unseres Menschen-zentrierten „Back on Track“-Programms. Mit Instrumenten wie RACI-Matrix, Interface Register und Decision Cards wird aus diffuser Verantwortung wieder ein steuerbares System.
Für Vorstände und Geschäftsleitungen ist das hoch relevant. Denn viele Verzögerungen sind in Wahrheit ein Entscheidungsproblem. Wer darf was entscheiden? Wer muss vorher gehört werden? Welche Schnittstelle ist kritisch? Welche Entscheidung ist bis wann nötig, damit ein Meilenstein nicht kippt? Sobald diese Fragen sauber beantwortet sind, steigt die Handlungsfähigkeit meist spürbar.
3. Fokus auf das Portfolio und klare Prozesse
Viele Projekte geraten ins Stocken, weil zu viele Einzelinitiativen gleichzeitig um dieselben Ressourcen, dieselbe Aufmerksamkeit und dieselben Entscheidungsträger konkurrieren. Gerade in Branchen wie der Luft- und Raumfahrt und der Verteidigung, in denen zudem Regulierung, Qualität, Sicherheit, Lieferketten, Kundenvorgaben und internationale Partnerstrukturen einwirken, wird diese Überlast schnell systemisch. Change-Müdigkeit macht sich breit.
Darum umfasst das Menschen-zentrierte „Back on Track“-Programm auch Portfolio- & Prozess-Management. Ein Portfolio-Board sorgt dabei für echte Priorisierung. Mit Hilfe von Prio-Matrixen schafft wir Transparenz darüber, was jetzt geschäftskritisch ist und was warten muss. Eine Prozesslandkarte macht sichtbar, an welcher Stelle Prozesse reißen, doppelt laufen oder sich gegenseitig blockieren.
Der Nutzen ist unmittelbar: Das Unternehmen investiert seine knappe Führungsenergie wieder in die wenigen Hebel, die das Projekt wirklich bewegen. Nicht alles gleichzeitig, sondern das Richtige zuerst.
4. Kommunikation, die die Kohärenz wiederherstellt
In komplexen Projekten erfassen Beschäftigte, das mittlere Management und Projektteams sehr schnell, ob das Top-Management die Lage wirklich verstanden hat. Unklare Botschaften, widersprüchliche Prioritäten oder reine Durchhalteparolen verstärken eher bestehende Unsicherheiten.
Deshalb ist Kommunikation ein harter Erfolgsfaktor. Unser Menschen-zentriertes „Back on Track“-Program setzt hierbei auf Moderation, Coaching, Stakeholder Map, Kommunikationskonzept und eine Executive Storyline. Relevante Stakeholder sollen dieselbe Lage sehen, dieselben Prioritäten verstehen und dieselben Botschaften hören.
Für das Top-Management bedeutet das, wieder Führung über Sinn, Richtung und Entscheidungsklarheit auszuüben. Für die Organisation bedeutet es, dass Gerüchte, Reibungsverluste und Abwehrreaktionen sinken, während Orientierung und Umsetzungsenergie steigen. Genau auf diese menschlichen Dynamiken und die kommunikative Steuerbarkeit komplexer Veränderungen und Multiprojekt-Management ist viadoo spezialisiert.
5. Maximale Hebelwirkung statt maximaler Umfang
Komplexe Projekte geraten ins Stocken, wenn zwischen Strategie, Governance, Portfolio, Prozessen und menschlichen Dynamiken die Verbindung reißt. Die daraus folgenden Kettenreaktionen verursachen hohe Kosten: verlorene Zeit, blockierte Führungskapazität, überlastete Schlüsselpersonen, sinkende Glaubwürdigkeit der Programmleitung, unsichere Go-lives und Folgekosten aus zu späten Entscheidungen. Genau hier hilft ein fokussierter Stabilisierungsansatz: nicht mit maximalem Umfang, sondern mit maximaler Hebelwirkung.
Autor(en)
Dr. Dominik Faust verfügt über langjährige operative Führungserfahrung (>70 MA) mit P&L-Verantwortung (>6 Mio. €). Er ist Kommunikationsprofi mit der Dreifach-Perspektive eines Journalisten & Autors, eines Leiters Corporate Communications & Pressesprechers sowie eines Medienmanagers. Zudem ist er zertifizierter Change Manager und Großgruppenmoderator. Als Top-Management-Berater unterstützt er seit vielen Jahren KMUs und DAX-Konzerne bei der Planung und erfolgreichen Steuerung komplexer Projekte bzw. Transformationsvorhaben. Seine Erfahrungen teilt er hier im Blog.






