Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie erlebt einen historischen Wandel. In vielen Unternehmen lautet die operative Frage nicht mehr „ob“, sondern „wie schnell und wie zuverlässig“ Kapazitäten ausgebaut werden können. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Engpass selten nur in der Fertigung liegt. Er liegt vielmehr in den Lieferketten, der Unternehmensführung, den Entscheidungsprozessen, den Schnittstellen und der Fähigkeit, mehrere große Programme parallel und robust zu verwalten. Die Change Guides von viadoo sind seit 20 Jahren im DefTech-Geschäft tätig. Wenn wir uns heute mit der DefTech-Community treffen, spüren wir sofort diese Spannung: ein Markt im Aufschwung, in dem Zeit, Compliance, öffentliche Debatten und technologische Komplexität allesamt drängende Faktoren sind.
1. Skalierung ist ein Kontrollproblem auf vielen Ebenen
The ramp-up affects not only production lines, but entire value-added networks: suppliers, testing and acceptance processes, export control, IT/OT interfaces, partner consortia, authorities and the internal organization that has to make it all “manageable.”
From current market observations – most recently from numerous discussions at Enforce Tac 2026 in Nuremberg – three patterns can be derived that we are currently seeing particularly frequently in DefTech:
- Dual Use rückt immer mehr in den Fokus: Zivile und militärische Wertströme wachsen immer enger zusammen und erfordern einen konsistenten Markteinführungsansatz und koordinierte Portfolios.
- Die strukturelle Komplexität nimmt zu: Mehr Partner, strengere Vorschriften und größere Programme erhöhen den Bedarf an Governance, Schnittstellenmanagement und zuverlässigen Entscheidungs-/Kontrollstrukturen.
- Die Anforderungen an das PMO werden differenzierter: Das klassische „PMO als Backoffice“ wird nicht überall als Wachstumstreiber angesehen. Mehrwert wird häufiger in den Bereichen Programm-Governance, DefTech-Multiprojektmanagement, Kapazitätsplanung und Prozessdesign generiert.
Der Kern dahinter: In vielen Unternehmen bedeutet ein Wendepunkt mehrere Entwicklungs-, Beschaffungs- und Transformationsstränge gleichzeitig, mit Abhängigkeiten und einer hohen politischen/öffentlichen Fallhöhe.
2. Bürokratie, Compliance und „Kommunikationsnebel“
DefTech ist stark reguliert. Das ist nichts Neues, aber in der aktuellen Dynamik wirkt jede Unklarheit wie Sand im Getriebe. Wenn Unternehmen zum ersten Mal in den DefTech-Markt einsteigen oder sich ihm aus anderen Märkten nähern, beobachten wir oft, dass Rechts- und Compliance-Abteilungen Risiken minimieren wollen – was verständlich ist.
Gleichzeitig führt dies oft zu einer „inkonsistenten Kommunikation und verworrenen Haftungsausschlüssen”: Die Formulierungen werden vorsichtig bis widersprüchlich, Verantwortlichkeiten bleiben vage und Entscheidungen werden verschoben.
Gerade jetzt erfordert Rechtssicherheit Klarheit, nicht Nebel. Klare Rollen, klare Entscheidungsprozesse, klare Eskalationswege und eine sowohl intern als auch extern verständliche Narrative reduzieren Risiken und erhöhen die Geschwindigkeit.
3. DefTech braucht Rückgrat und sichere Räume
Auf der diesjährigen DefTech-Leitmesse Enforce Tac in Nürnberg zeigte sich die Community erneut in ihrer ganzen Vielfalt: etablierte Industrie, Scale-ups, Start-ups, Vertreter der Bundeswehr und der Strafverfolgungsbehörden, technische Tüftler, Anwender. Ein echter Schmelztiegel.
Unsere Gespräche mit jungen Menschen auf der Enforce Tac, die aus Überzeugung neu bei DefTech sind und uns gleichzeitig erzählen, dass sie aus Angst vor Feindseligkeiten „im Stealth-Modus” agieren, machen deutlich, was das bedeutet. Die Proteste rund um die Messe haben gezeigt, was das bedeutet.
Das ist mehr als nur „Stimmung”. Es ist ein realer Faktor bei der Rekrutierung, Bindung und Leistung. Wer DefTech skalieren will, muss aktiv über Bedeutung, Ethik, Mission und Grenzen kommunizieren.
4. FCAS: Misserfolg und doch industrielles Fenster
Das deutsch-französische FCAS-Projekt ist symbolisch für die Herausforderungen, denen große europäische Programme gegenüberstehen: komplexe industrielle Architektur, nationale Interessen, IP-Fragen, Arbeitsteilung, Zeitdruck.
Gleichzeitig birgt das mögliche Scheitern von FCAS Potenzial für die Industriepolitik: Nach der seit 1989 andauernden Umstrukturierung könnte eine wiederbelebte deutsche Militärluftfahrtindustrie entstehen. Dies könnte durch die Verwaltung groß angelegter Programme und den Ausbau bestehender Kompetenzen wie Systemintegration, Avionik, Missionssysteme, Sensortechnologie, unbemannte Verbundkomponenten sowie digitale Entwicklungs- und Zulassungsketten erreicht werden.
Mit anderen Worten: Selbst wenn FCAS scheitert, bleibt die strategische Aufgabe bestehen und damit auch die Chance, das deutsche Know-how in der Militärluftfahrt neu zu gruppieren und zu professionalisieren.
5. Der blinde Fleck von DefTech-Multiprojekten
Die vielleicht wichtigste Ergänzung zur aktuellen Debatte: Viele DefTech-Organisationen arbeiten nicht an „dem einen Projekt”, sondern an Dutzenden von Projekten parallel. Entwicklungsprogramme, Industrialisierung, Toolchain-Migration, Qualifikationen, Zulassungen, Lieferkette, Hochlauf.
Dies schafft einen ganz spezifischen Bedarf, der in Diskussionen immer wieder erwähnt wird:
- Programm-Governance (Regeln, Rollen, Ausschusslogik, Berichterstattung)
- Schnittstellenmanagement (Partner, Behörden, interne Bereiche, Lieferanten)
- DefTech-Multiprojekt-/Portfoliomanagement (Priorisierung, Abhängigkeiten, Roadmaps)
- Kapazitätsplanung einschließlich Szenarien (kritische Fähigkeiten, Engpassrollen, Hochlauf)
- Prozessdesign (vom Entwicklungsprozess bis zur Entscheidungsvorlage)
Und hier wird es persönlich: Wenn Prioritäten kollidieren, Rollen unklar sind und Entscheidungen „zwischen den Stühlen“ stecken bleiben, nimmt die Reibung zu und damit das Risiko, dass Projekte zwar funktionieren, Programme aber nicht liefern.
DefTech Projekt- & People-Management seit 2004
Seit 2004 unterstützt viadoo mittelständische Unternehmen und DAX-notierte Konzerne der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie bei der Planung und Steuerung komplexer Projekte mit Projekt- und People-Management. Unsere Kernkompetenzen: Umgang mit menschlicher Dynamik und Beherrschung der Kommunikation – insbesondere in Krisensituationen. Ergänzt wird dies durch operatives Know-how, operative Erfahrung und relevante Zertifizierungen (u. a. EASA).
Autor(en)
Dr. Dominik Faust ist Gründer der viadoo GmbH. Als Top-Management-Berater mit langjähriger Führungserfahrung entwickelt er seit Jahren Change- und Kommunikationskonzepte für KMUs und DAX-Konzerne und setzt sie erfolgreich um. Mit der Bedeutung des Faktors Mensch für den Erfolg von Veränderungsprojekten ist er bestens vertraut. Die menschliche Seite der Transformation liegt ihm daher besonders am Herzen. Dominik verbindet zertifizierte Veränderungskompetenz mit multimedialer Storytelling-Expertise und operativer Change-Leadership-Erfahrung mit hoher Methodenkompetenz.






